SPD MEERSBURG

Daisendorf, Hagnau, Meersburg, Stetten, Uhldingen-Mühlhofen

Fraktionserklärung zur Fortschreibung des Nahverkehrsplans

Veröffentlicht am 08.04.2025 in Fraktion

Sehr geehrter Herr Landrat,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Kreistages,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung,

 

die SPD-Fraktion begrüßt ausdrücklich die Fortschreibung des Nahverkehrsplans, für deren professionelle Erstellung uns an dieser Stelle ebenfalls bedanken wollen. Der vorliegende Entwurf stellt ein solides Fundament für die zukünftige Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in unserem Landkreis dar. Es ist erfreulich zu sehen, dass die kontinuierliche Verbesserung des ÖPNV-Angebots im Bodenseekreis klar im Fokus steht. Der vorliegende Plan bildet die Grundlage, um bestehende Angebote zu stärken und neue Impulse für die Mobilität in unserer Region zu setzen. Besonders hervorzuheben ist, dass die angestrebten Verbesserungen ohne die Bereitstellung immenser zusätzlicher Mittel aus dem Kreishaushalt umgesetzt werden können.

Der Nahverkehr im Bodenseekreis ist zweifellos gut aufgestellt. Dies zeigt sich sowohl an der hohen Akzeptanz des bestehenden Angebots als auch an der regen Nutzung durch Pendlerinnen und Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie Touristen. Gerade deshalb dürfen wir jedoch nicht stehen bleiben. Mobilität ist kein statisches Konzept – sie muss kontinuierlich weitergedacht und angepasst werden, um den wachsenden Herausforderungen gerecht zu werden.

Wir leben in einer Region, die wirtschaftlich stark, landschaftlich reizvoll und touristisch hochattraktiv ist. Diese Stärken erfordern ein Verkehrskonzept, das nicht nur die bestehenden Mobilitätsbedürfnisse abdeckt, sondern auch zukünftige Entwicklungen antizipiert. Der Nahverkehrsplan leistet hier wertvolle Arbeit, indem er nicht nur die derzeitige Situation analysiert, sondern auch konkrete Schritte zur Verbesserung aufzeigt. Wichtig ist uns dabei, dass die Optimierungen vor allem durch eine effizientere Organisation und eine kluge Nutzung vorhandener Ressourcen erreicht werden. Wir sollten die Haushaltsmittel des Landkreises nicht überstrapazieren, sondern zunächst alle vorhandenen Potenziale heben.

Ein zentraler Aspekt des Nahverkehrsplans ist die Stärkung der Verknüpfungspunkte im Kreisgebiet. Der Plan hebt die Bedeutung von gut erreichbaren Umsteigeknoten hervor, die den Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln erleichtern. Dies gilt insbesondere für die Schlüsselknoten Friedrichshafen, Überlingen und Markdorf, die als Dreh- und Angelpunkte im Regionalverkehr fungieren. Hier müssen wir die Fahrgastinformation und die Aufenthaltsqualität weiter verbessern, um die Nutzung noch attraktiver zu gestalten. Uns als SPD-Fraktion ist es dabei ein besonderes Anliegen, dass die verschiedenen Verkehrsträger – ob Bus, Bahn, Fähre oder Radverkehr – optimal miteinander vernetzt werden. Eine reibungslose Verknüpfung aller Mobilitätsangebote stärkt den Nahverkehr und erhöht seine Akzeptanz.

Darüber hinaus legt der Plan einen klaren Fokus auf die Taktverdichtung in stark frequentierten Korridoren. So soll beispielsweise die Linie Friedrichshafen–Überlingen weiter ausgebaut werden, um Pendlerströme besser aufzufangen und den Umstieg auf den ÖPNV zu erleichtern. Auch die Einführung flexibler Bedienformen wie On-Demand-Verkehre in ländlichen Gebieten ist ein wichtiger Bestandteil, um die Mobilität für alle Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Barrierefreiheit im gesamten ÖPNV-Netz. Der Plan sieht vor, alle Haltestellen bis 2030 barrierefrei auszugestalten, um die Zugänglichkeit für mobilitätseingeschränkte Menschen sicherzustellen. Dies ist nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern auch ein Ausdruck von sozialer Verantwortung.

Mobilität ist weit mehr als ein Mittel zum Zweck. Sie ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe, schafft Verbindungen zwischen Menschen und bietet die Grundlage für wirtschaftliche Dynamik. Eine leistungsfähige und bezahlbare Nahverkehrsinfrastruktur stärkt den sozialen Zusammenhalt, indem sie allen Menschen die Möglichkeit bietet, am öffentlichen Leben teilzuhaben. Unabhängig von Einkommen, Alter oder Herkunft muss Mobilität für alle zugänglich sein. Gleichzeitig ist eine gute Verkehrsanbindung Voraussetzung dafür, dass Wirtschaft und Tourismus florieren können. Wir brauchen robuste, verlässliche Verbindungen, die den Alltag der Menschen erleichtern und gleichzeitig die Attraktivität des Bodenseekreises als Arbeits- und Lebensraum fördern. Schließlich ist eine umweltgerechte Mobilität ein entscheidender Beitrag zur Lebensqualität und zum Klimaschutz – weniger Verkehr auf den Straßen bedeutet weniger Lärm, weniger Emissionen und ein angenehmeres Umfeld.

Die großen infrastrukturellen Herausforderungen – wie das Nadelöhr Bundesstraße oder der noch ausstehende Ausbau der Bodenseegürtelbahn – liegen leider nicht in unserem direkten Verantwortungsbereich. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass gerade die jüngst vom Bundestag beschlossenen Infrastrukturmittel eine einmalige Chance darstellen, diese Herausforderungen aktiv anzugehen. Projekte wie die Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn oder die Beseitigung von Eng- und Gefahrenstellen an der B30 und B31 dürfen dabei nicht zurückstehen. Wir müssen sicherstellen, dass auch für diese Verkehrsprojekte Mittel bereitgestellt werden, um die Mobilität im Bodenseekreis nachhaltig und zukunftsorientiert zu gestalten. Wir müssen die uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen und die Mobilität im Kreis durch clevere, schrittweise Verbesserungen voranbringen und wir hoffen, dass die Verwaltung auch ohne unseren Ergänzungsantrag hier Gespräche führt, sodass Schiffsverbindungen bald zu ÖPNV-Konditionen genutzt werden können.

Unsere Aufgabe als Kreistag ist es, innerhalb unserer kommunalen Verantwortung innovative Ideen zu entwickeln und die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen. Gleichzeitig müssen wir realistisch anerkennen, dass grundlegende infrastrukturelle Fortschritte nur durch eine konstruktive Zusammenarbeit mit Land und Bund möglich sind. Diese Kooperation ist unerlässlich, um die Verkehrswende auch in ländlichen Regionen voranzubringen und nachhaltige Mobilität zu gewährleisten.

Deshalb richten wir unseren dringenden Appell an den Bundestags- und die Landtagsabgeordneten: Lassen Sie nicht zu, dass die im Bundeshaushalt vorgesehenen Mittel in bürokratischen Verfahren versickern. Sie müssen dort ankommen, wo sie tatsächlich gebraucht werden – hier bei uns im Bodenseekreis. Gerade jetzt könnte sich ein Zeitfenster öffnen, in dem die Chancen auf eine Mittelbereitstellung – auch für Schiffsverbindungen – günstig stehen. Diese Gelegenheit müssen wir gemeinsam ergreifen und die notwendigen Investitionen sichern.

Die Verkehrswende ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die politische Willenskraft und zielgerichtete Maßnahmen erfordert. Der ländliche Raum darf nicht ins Hintertreffen geraten. Gerade der Bodenseekreis, als Wirtschafts- und Tourismusregion von überregionaler Bedeutung, braucht eine zukunftsorientierte ÖPNV-Infrastruktur. Es geht darum, die Mobilität von morgen zu gestalten – mit klugen Konzepten, vorausschauender Planung und entschlossenem Handeln.

Wir sollten die Fortschreibung des Nahverkehrsplans als Chance verstehen, nicht nur die Verkehrsprobleme der Gegenwart zu lösen, sondern auch die Mobilität der Zukunft aktiv zu gestalten. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass der Bodenseekreis durch vollständige Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger, durch inter- und multimodale Angebote und Taktverbesserungen Vorreiter in Sachen nachhaltiger und vernetzter Mobilität wird.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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